Beruf & Vereinbarkeit

Das Schweigen der Kolleginnen

Als ich 2012 auf Arbeit meinen lieben Kolleginnen und Kollegen voller Stolz berichtete, dass ich schwanger sei und bald Nachwuchs erwarte, waren die Reaktionen durchweg positiv. Von „Glückwunsch“, „Zeit wird’s“  bis „Och, wie schön!“ war alles dabei. Der Bauch wuchs und ich stellte mich auf ein Jahr zu Hause in Elterzeit ein. Danach (das war für mich von Anfang an klar) wollte ich sofort wieder arbeiten. Unbedingt. Nicht, weil ich ohne Arbeit nicht leben kann, sondern weil wieder (mehr) Geld in die Haushaltskasse gespült werden musste. Und von nix kommt bekanntlich nix. Außerdem muss ich gestehen, dass mein Jahr zuhause zwar schön, aber nicht besonders ereignisreich war. Ich bin eben keine geborene Vollzeit-Mama-Hausfrau.

Zu meinen Kollegen hatte ich auch in meiner Auszeit regen Kontakt. Ich bekam ein tolles Babygeschenk und ich besuchte stolz wie Oskar gemeinsam mit dem Junior meine Arbeitsstelle. Die sollten ruhig sehen, was da neun Monate in meinem Bauch ausgebrütet wurde. Ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich das erste Jahr nach der Elternzeit die Stundenzahl etwas reduziert hatte, nun aber wieder volle 35 Stunden die Woche arbeite. Soweit so gut.

Und jetzt kommt der eigentliche Grund dieses Blogeintrags. Was mir aufgefallen ist, seit ich wieder arbeite, ist ein seltsames und gleichzeitig interessantes Phänomen. Wirkliches Interesse an meiner Schwangerschaft und meinem Sohn kommt überwiegend nur seitens meiner männlichen Kollegen, die selbst Väter oder schon Opas sind. Meine Kolleginnen hingegen – allesamt kinderlos – schneiden das Kinderthema nie an. Keine Frage, kein nix. (Einzig eine Kollegin mit Teenagertochter bildet hier die Ausnahme und auch meine liebe Kollegin und Freundin Marina. Als Freundin kommt sie da nicht drum rum.)

Zuerst dachte ich, es wäre nur Einbildung meinerseits. Doch das ist definitiv nicht der Fall. Von den Frauen kommt Null Interesse zum Thema Nachwuchs. Und zwar abteilungsübergreifend. Ist das nicht seltsam? Ich hätte schwören können, Männer seinen dem Thema Kinder zurückhaltender eingestellt, doch Irrtum. Die sind Feuer und Flamme: „Wie geht’s dem Junior?“, „Alle gesund daheim?“, „Wie macht ihr das mit dem Krippen-Streik?“. Von der weiblichen Kollegschaft dagegen kein Wort.

Irgendwie macht mich das innerlich wütend und auch ein wenig traurig. Obwohl es nur eine Kleinigkeit ist, ärgert es mich. Und was mich noch mehr ärgert ist, dass ich mich darüber ärgere. Ich bin doch kein anderer Mensch geworden und ein wenig Interesse am Gegenüber gehört für mich auch zum guten Ton. Und zu meinem Leben gehört nun mal jetzt mein Sohn. Er ist mein Ein und Alles und steht ganz oben in meinem Leben. Vielleicht liegt es aber wirklich an der Tatsache, dass ich die einzige mit (kleinem) Kind in unserer Abteilung bin.

Aber was soll’s? Ich steh da drüber und zeige voller Stolz die neuesten Fotos des Juniors auf dem Handy, wenn mich ein Kollege wieder mal danach fragt. Ich bin stolz die Mama meines zauberhaften Sohnes zu sein!

Liebe Grüße
Anke

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11 Kommentare

  • Antworten
    Taemyraemy
    6. November 2015 at 21:18

    Liebe Anke,
    ein sehr interessanter Beitrag. Hm. Eine Antwort kann ich dir darauf aber auch nicht geben. Es ist wirklich intressant. Aber es soll auch Frauen geben, die keine Kinder wollen und sich auch nicht für diese interessieren. Ich bin da eher jemand, der gerne Up-To-Date bleibt. Ich muss nicht über jeden Schnupfen Bescheid wissen – das wäre weißgott übertrieben – aber ich freue mich wenn mir jemand anvertraut, dass der kleine Mann schon erste Schritte macht.

    Lg und weiter so. Lass dich nur unterkriegen. Bleib stolz! Kinder sind was Wundervolles. Und wer nicht fragt hat es auch nicht verdient, dass man so etwas Schönes mit ihm Teilt

    Tami

    • Antworten
      Anke
      7. November 2015 at 20:49

      Ich bin mega stolz auf unseren kleinen Mann. Danke für deine aufmunternden und lieb gemeinten Worte.
      LG Anke

  • Antworten
    Bammy
    16. Juni 2016 at 8:08

    Das ist ja merkwürdig.
    Hier fragen auch die kinderlosen und vllt nie kinderwollenden Kolleginnen nach, wie es der kleinen Maus geht. So allein mit Papa, da die Mama nun wieder arbeitet.
    Ich arbeite übrigens auch verkürzt und somit nur noch 37 Stunden o.O …

  • Antworten
    Funky
    21. Juni 2016 at 20:53

    Ich würde das nicht persönlich nehmen und auch nichtmal Absicht unterstellen.
    Als ich noch kinderlos war hatte ich auch keine Ahnung davon was Mütter so beschäftigt und dass es ganz nett ist, wenn man mal nachfragt. Man hat ohne Kinder eben ein anderes Verständnis.
    Bei mir ist es ähnlich, über Kinder spricht man mit anderen Eltern. Alle kinderlosen Fragen evtl. mal nach, wie es dem Nachwuchs geht. Finde ich aber auch völlig ok. Sie reden ja sicher über andere Dinge (Urlaub, Hobby, alltägliches) mit dir und ignorieren dich nicht völlig, oder?

    • Antworten
      Anke
      21. Juni 2016 at 20:56

      Nein, nein, ganz und gar nicht. Wir verstehen uns super. Nur das Thema Kinder ist irgendwie nicht verhanden. Wie gesagt, nur bei den Frauen. Und du hast wahrscheinlich recht, wenn du sagst, dass die das nicht nachvollziehen können.
      LG Anke

      • Antworten
        Claudia
        22. Juni 2016 at 15:15

        Hallo Anke,

        Hast du die Kolleginnen schon mal gefragt, warum sie nicht darüber reden? Vielleicht will die eine oder andere ja auch gerne ein Kind und es klappt einfach nicht. Es ist sehr schmerzhaft für Frauen wenn sie andere Frauen glücklich mit ihrem Kind sehen und selbst nicht wissen ob sie selbst je Kinder haben werden.
        Das soll nicht heißen, dass du dich über deinen Sohn nicht freuen darfst, aber vielleicht einfach die Kolleginnen mal fragen warum sie sich nicht interessieren. Denn manchmal gibt es tatsächlich einen Grund dafür.

  • Antworten
    Jane Doe
    21. Juni 2016 at 22:15

    Schon einmal daran gedacht, dass einige unter den Frauen ungewollt kinderlos sind und deswegen einfach nicht mit der Situation umgehen können?

  • Antworten
    Jenny
    22. Juni 2016 at 13:42

    Hallo,

    ich bin über Facebook auf diesen Blogeintraggekandet aufmerksam geworden.
    Und ich muss mal was dazuloswerden.
    Du kreidest deinen Kolleginnen an, dass sie kein Interesse an deiner Situation haben.
    Ich denke, ich könnte eine von ihnen sein. Und ich würde mich fragen, warum du mich noch nie mit ernsthaftem Interesse gefragt hättest, ob ich auch gerne Kinder hätte.
    Dann hätte ich dir vielleicht erzählt, dass das der Fall ist. Und dass das schon sehr lange der Fall ist, es aber noch nicht geklappt hat bisher. Je nachdem, wie du reagiert hättest, hätte ich dir dann vielleicht sogar mehr erzählt.
    Vom Starren auf weiße Schwangerschaftstests, von den vielen Tränen, die schon geflossen sind; von dem Nebenwirkungen der Hormone, die mir meine Frauenärztin verschrieben hat, von den Belastungen, die unsere Beziehung aushalten muss, vom schlechten Spermiogramm des hoffentlich zukünftigen Papas, von den Gedanken, die rund um das Thema künstliche Befruchtung kreisen…
    Und dann hättest du vielleicht verstanden, warum ich nicht frage, was der Sohnemann neues gelernt hat und dass man manchmal dosieren muss, an welcher Stelle man welche Geschichte von Kindern und Schwangerschaften anhören kann und dass man manchmal gucken muss, ob es gerade der richtige Zeitpunkt ist, um sich das neueste Ultraschallbildchen der Kollegin anzusehen. Das ist kein Desinteresse, aber manchmal schmerzt es einfach zu sehr.

    Behalte dir deinen Stolz und dein Glück. Das ist dein gutes Recht und es ist was sehr Schönes! Aber verurteile niemanden, dessen Geschichte du nicht kennst. Vielleicht würde er einfach nur gerne dasselbe haben wie du.

  • Antworten
    Bine
    22. Juni 2016 at 15:57

    Liebe Anke.
    Ein Kind ist was wunderbares und dies möchte man gerne der ganzen Welt erzählen. Nur oft wird dies zum Mittelpunkt der Gespräche. Ich würde empfehlen in Gesprächen das Kind nicht zum Zentrum des Universums zu machen. Wenn es immer nur um den Nachwuchs geht, sind nicht nur kinderlose Freundinnen genervt, sondern auch andere Mütter. Besonders aber die die dieses Glück noch nicht erleben durften, du aber ohne jegliche Überlegung wie es den anderen geht bei deinen Erzählungen einfach eine Rosa Rote Brille auf hast und kein Feingefühl für andere Personen.
    Es hat immer einen Grund warum sich Menschen von jemanden distanzieren. Und es wäre lächerlich jetzt zu denken „Alle anderen sind Schuld, die verstehen mich eben nicht“.

    Nicht jeder kann sich mit anderen freuen auf deren Glück,nicht jeder interessiert es was die letzten 24Std zu Hause mit Kind passiert ist und nicht jeder erfreut sich dadrüber wenn einem dieses Thema immer wieder ohne zu fragen auf die Nase gebunden wird.
    In diesem Sinne wünsche ich deinen Kollegen das du Vielleicht etwas feinfühliger wirst und dich mit denen über dein Glück erfreut wo du dir sicher sein kannst das sie es gerne hören.

  • Antworten
    Zoldidi
    6. Oktober 2016 at 14:28

    Bevor ich Mutter wurde, habe ich mich auch relativ wenig für Kinder interessiert. Ein Oberflächlicher Glückwunsch kam mir schon über die Lippen und auch ein kurzes anlächeln war drin. Ansonsten, war es z.T. auch etwas nervig als ein Kollege mir dauernd von seinen Kindern berichtete, was sie zu Essen hatten, was sie gesagt haben oder dass die kleinen am Vorabend nicht zeitig zu Bett wollten. Oder auch als mir ständig Fotos und Videos zeugen wollte. Nun ist das alles anders, kann aber nachvollziehen wenn Kinderlose nicht wissen wollen, ob mein kleiner gut trinkt, schläft, isst oder was auch immer macht. Darüber erzähle ich nur wenn unter anderen Mamas/Eltern bin oder ich explizit gefragt werde. Ich kenne deine Kolleginnen zwar nicht, aber würde mich den anderen Kommentaren anschließen und sagen, dass es bestimmt nicht böse gemeint ist.

    • Antworten
      Anke
      7. Oktober 2016 at 9:48

      Danke für deinen Kommentar. Natürlich zeige ich auf Arbeit keine Kinderbilder rum und erzähl nicht vom ersten Toiletten-Geh-Erfolg. Das würde mich ja selber total langweilen, wenn ich mir das von anderen Leuten anhören müsste. hihi. Ich glaube auch, dass sie es nicht bös meinen und ich bin da inzwischen ganz gelassen deswegen.
      Liebe Grüße Anke

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