Gedanken

Ist man mit nur einem Kind eine richtige Familie?

Die Geburt unseres Sonnenscheins ist nun schon fast drei Jahre her. Als unser Sohn 2013 auf die Welt kam, war das das schönste Geschenk auf Erden überhaupt. Lange hatte ich mich auf ein Kind gefreut und es sehnlich erwartet. Und dann kam dieser bezaubernde kleine Zwerg auf die Welt und in unser Leben. Ein absolutes Wunschkind, willkommen und geliebt. Über ein zweites Kind hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Betracht gezogen. Wir waren froh, dass Kind Nummer 1 wohlauf war.

Von Freunden und Verwandten kamen nach der Geburt jedoch ziemlich schnell die ersten Sprüche, Andeutungen und Fragen nach Kind Nummer 2. Das klang dann ungefähr so: „Wann kommt denn nun das zweite?“ „Ein Kind ist kein Kind.“ oder „Wollt ihr nicht doch noch eins?“ „Meint ihr das wirklich ernst mit nur einem Kind?“ Die Fragen waren (und sind auch heute noch) lästig. Doch im Grunde stellte ich mir dieselbe Frage: Meinen wir das wirklich ernst mit nur einem Kind?

Als ich noch ein Teenager war, sah die perfekte Familie für mich immer so aus: Vater, Mutter, zwei Kinder, ein Haus und ein Hund! Vom Gedanken an einen Hund habe ich mich schon vor Jahren verabschiedet. Um Himmels willen bloß kein Hund! Das Haus ja, aber ohne Hund.

Papa und ich sind uns im Grunde einig, dass wir es bei einem Kind belassen wollen. Und doch kommt zwangsläufig auch bei uns die Frage auf nach Kind Nummer 2 auf. Natürlich beschäftigt mich das Thema, zumal die biologische Uhr ja stetig weiter tickt. Wollen wir nicht doch noch ein zweites Kind? Sind wir doch bereit für ein zweites Kind? Bin ich bereit für ein zweites Kind? Ich hörte ganz tief in mich hinein.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich mit unserer 1-Kind-Familie vollkommen zufrieden bin. Unser Sohn ist (natürlich) das liebste Kind auf der ganzen Welt. Wir haben so viel Glück mit diesem kleinen Kerl. Er ist gesund, er ist immer gut gelaunt, er schläft nachts durch und ist (fast) nie vor 8 Uhr wach. Was wollen wir mehr? Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch einmal so viel Glück haben werden.

Dazu kommt, dass ich wieder Vollzeit arbeite. Mit einem zweiten Kind wäre das wahrscheinlich so nicht mehr möglich und hieße im Umkehrschluss, dass entweder Papa oder ich die Arbeitszeit (wieder) reduzieren müsste. Da ich der besser verdienende Part in unserem Haushalt bin, wäre es in meinen Augen dumm, noch einmal Elternzeit oder Teilzeit zu machen. Und dass Papa auf eine Halbtagesstelle reduziert, würde bei seinem Arbeitgeber auf größtes Unverständnis stoßen und nicht machbar sein. Ich bin mir bewusst, dass die materiellen Werte kein wirklicher Grund sind, sich gegen ein weiteres Kind in unserem Leben zu entscheiden. Natürlich würde es gehen. Über dieses Thema sollte man sich aber dennoch Gedanken machen.

Ich liebe Kinder – allen voran mein eigenes – und trotzdem will ich nicht 24-Stunden lang Kindergeschrei um mich herum haben. Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich ein Typ Mensch, der viel Zeit für sich selbst braucht. Vielleicht sogar mehr als andere das brauchen. Mit nur einem Kind ist dieser Luxus möglich. Es gibt Frauen, die sind wahre Mutter-Typen und blühen in ihrer Mutterrolle regelrecht auf. Ich bewundere solche Frauen wirklich. Doch ich gehöre definitiv nicht dazu. Versteht mich nicht falsch. Ich bin sehr, sehr gern Mutter und spiele mit unserem Junior Fußball, schaue Bücher an, lese vor … Und ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist. Aber ich habe eben auch Zeit für mich. Und das macht mich glücklich.

Deshalb ist unsere Familie für mein Leben komplett so wie sie jetzt ist. Zu dritt sind wir perfekt. Ich habe nicht das Gefühl, dass uns ein weiteres Kind zufriedener machen würde. Es ist gut so wie es ist. Jedenfalls für uns.

Liebe Grüße
Anke

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14 Kommentare

  • Antworten
    Judith
    4. Oktober 2015 at 21:29

    Hallihallo,

    ich bin grad auf deine Seite gestoßen und war sofort von deinem aktuellen Post angetan und gerührt. Diese Fragen kenne ich auch zu gut. Und ich finde es unglaublich toll, dass du so ehrliche Worte zu diesem Thema findest! Das Wichtigste ist, dass IHR euch wohl und vollkommen fühlt – EGAL was andere sagen!!! Deine Seite ist klasse! LG Judith von zeitfuermama.com

    • Antworten
      Anke
      5. Oktober 2015 at 11:29

      Danke liebe Judith
      Es ist wirklich schwierig sich da klar zu werden. Ich dachte immer, es ist alles klar und dann fängt man doch wieder das grübeln an. Deshalb danke ich dir für deine lieben Worte. Das baut auf.
      Liebe Grüße Anke

  • Antworten
    Alicja Wiktoria
    27. April 2016 at 11:14

    Liebe Anke,

    danke für Deine ehrlichen Worte. Mein Mann und ich hadern auch zur Zeit an der Frage ob wir ein zweites Kind wollen. Irgendwie ja. Irgendwie nein. Und weil wir es noch nicht wissen lassen wir uns mit dieser Entscheidung einfach noch Zeit. Rennt ja nix weg.

    Zu sagen „ich liebe mein Kind aber ich brauche auch Zeit für mich!“ erfordert meines Erachtens nach heutzutage Mut. Man wird dafür oft schief angeschaut. Mir geht es auch so. Ich bin seit 2 Jahren zu Hause und so langsam drehe ich am Hamsterrädchen. Was überhaupt nix mit der Liebe zu meiner Tochter zu tun hat. Sondern mit der Liebe zu mir selbst. Nur als Hausfrau bin ich mir nicht mehr genug.

    Was also tun? In unserem Fall heißt es abwarten. In Eurem Fall habt ihr die Entscheidung schon getroffen! Glückwunsch dazu!

    Viele Grüße
    AW

    • Antworten
      Anke
      27. April 2016 at 12:05

      Hallo Wiktoria
      Danke für dein liebes Feedback und deine ehrlichen Worte. Lass dich zu nix drängen und hör einfach auf dein Herz. Und ich finde es auch nicht richtig zu sagen, wer mehrere Kinder möchte, muss sie in einem kurzen zeitlichen Abstand bekommen, weil sie dann mehr voneinander haben. Das sehe ich ganz und gar nicht so und wäre mir persönlich viel zu stressig. Deshalb lasst euch Zeit und mach du etwas, was dir Spaß macht, nur für dich. Und so ein Nachzügler mit Jahren Abstand ist doch auch was Schönes. Schon mal darüber nachgedacht?
      Liebe Grüße Anke

  • Antworten
    Andrea
    12. Mai 2016 at 18:25

    Hallo Anke
    Schöner Text. Bei meinem Partner und mir ist es genau anders. Wir haben ein ZwillingsPärchen. Und müssen uns ständig anhören das wir ja alles in einem Rutsch hinter uns gebracht haben. Dabei ist die Familienplanung bei uns noch gar nicht wirklich abgeschlossen.

    Aber Familie waren wir schon ohne die Kiddis.

    LG Andrea

    • Antworten
      Anke
      12. Mai 2016 at 20:54

      Ist doch seltsam, dass man bei einer Zwillingsgeburt als Außenstehender davon ausgeht, dass die Familienplanung abgeschlossen sein muss. Finde ich toll, dass ihr das anders seht und viel Glück mit (vielleicht) bald Kind Nummer 3.
      LG Anke

  • Antworten
    Tini
    12. Mai 2016 at 20:35

    Wir haben zwei Kinder, zwei Mädels. Es könnte nicht schöner sein. Vor allem finde ich es auch toll für die Kinder selbst. Sie sind nie allein, ob im Urlaub oder im Freizeitpark. Klar, Einzelkinder haben ihre Eltern. Haben meine Kinder auch aber Kinder unter Kindern ist nochmal etwas ganz anderes und geteiltes Glück ist einfach doppeltes Glück! Es geht mir das Herz auf sie zusammen zu sehen. Trotzdem sind zwei Kinder wirklich nochmal eine andere Hausnummer. Vor allem am Anfang wenn sie sehr klein sind. Freizeit oder Zeit für mich, so wie du es beschreibst bleibt mir wenig aber das wird sich auch wieder ändern und dann vielleicht für mich sogar noch mehr wenn sie miteinander spielen und eben nicht immer die Eltern fodern wie das Einzelkinder dann wahrscheinlich immer tun. Es gibt immer positive und negative Seiten. Ich bin natürlich froh so wie es ist und akzeptiere und respektiere, dass es bei dir und anderen perfekt mit einem ist. Alles Gute.

    • Antworten
      Anke
      12. Mai 2016 at 20:52

      Es stimmt wahrscheinlich wie du schon sagst, dass es immer positive und negative Seiten gibt. Und ich danke dir sehr für deine netten Worte. Ich selbst bin auch ein Einzelkind und habe nie etwas vermisst, weil man sich als Einzelkind selbstverständlich Freunde suchen muss. Und da mein Sohn sehr leich Anschluss bei anderen Kindern findet, dürfte er sich nie allein fühlen. Außerdem hat er aktuell vier (bald fünf) Cousins und Cousinen. Da wird es in der Familie auch nie langweilig.
      Liebe Grüße Anke

  • Antworten
    Karina
    12. Mai 2016 at 20:52

    Liebe Anke,

    ich kenne diese Frage nur zu gut – auch wir haben 2013 unsere Tochter bekommen und seither denke ich zwar auch daran, dass ein zweites, sogar drittes Kind unglaublich schön wäre, jedoch empfinde ich unsere Familie als just perfect.
    Dein Text ist wirklich gut geschrieben.
    Ich habe vor der Schwangerschaft ein ziemlich unabhängiges Leben geführt, kaum Beziehungen,viele Freunde, viele Reisen, ungebunden und „frei“. Seit 2013 bin ich Mama und eine der Mamas, die nichts in ihrem Leben lieber tun als Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen.
    Jede Mutter hat andere Bedürfnisse und solange du glücklich bist und deine Familie auch, machst du alles richtig 😉

    Liebe Grüße, Karina

    • Antworten
      Anke
      12. Mai 2016 at 20:56

      Den ist nichts mehr hinzuzufügen, liebe Karina. Danke für deine Worte und dass du mich verstehst.
      LG Anke

  • Antworten
    Bianca
    12. Mai 2016 at 22:02

    Hallo Anke,
    Was für ein schöner Text über das Leben zu dritt und darüber, was es mit Dir als Mama macht. Mir geht es wie Dir. Ich hatte auch immer zwei Kinder im Kopf, als ich jünger war. Jetzt habe ich einen fünf Monate alten Sohn und für mich mit der Familienplanung abgeschlossen. Einfach so! Weil das Leben halt so ist. Man hat einen Plan und der ändert sich im Lauf der Zeit, weil man sich selbst ändert und die Bedürfnisse vielleicht heute andere sind, als noch vor zehn Jahren gedacht. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, ob man mit nur einem Kind keine richtige Familie ist…denn ich finde das totalen Quatsch. Manche Menschen bezeichnen einen Partner und eine Handvoll Haustiere als Familie, warum also sollte ein Paar mit einem Kind keine sein? Familie kann so viele Formen haben, wie eine Patchworkdecke. Jede ist anders in ihrer Kombination und niemand hat das Recht zu be-, oder zu verurteilen! Ich hatte das Glück mit einer Schwester aufzuwachsen, die damals, wie heute meine beste Freundin ist. Ich kenne aber auch das Gegenteil, wo sich Geschwister spinnefeind sind. Eine Garantie gibt’s nicht. Ich teile Deine Meinung uneingeschränkt und freu mich riesig auf unser Leben zu dritt.
    Viele Grüße
    Bianca

  • Antworten
    Bammy
    16. Juni 2016 at 8:42

    Ich selbst bin Einzelkind und mir hat nichts gefehlt. Ich hatte meine beste Freundin und die war fast wie eine Schwester. War irgendwie immer da xD

    Wobei wir uns auch ein zweites Kind wünschen… irgendwann 😀

  • Antworten
    Jana
    19. Juni 2016 at 16:29

    Wie man es macht, macht man es falsch – für die anderen. Hast du kein Kind, bist du egoistisch. Hast du ein Kind und willst kein weiteres, dann bist du komisch und hast du mehr als zwei Kinder, bist du asozial. Wir haben uns ganz bewusst für das 1-Kind-Modell entschieden und nie bereut. Auch ich bin ein Mensch, der sehr viel Zeit für sich selbst braucht und da bringt es mir nichts, wenn ich mir eine ganze Kinderschar anschaffe und dabei über meine Grenzen gehe. Jeder Mensch weiß doch wohl am besten, was gut für ihn ist.

  • Antworten
    Nadine
    12. Dezember 2017 at 21:20

    Ich dachte immer, ich würde nur ein Kind wollen – und hab jetzt aus vollster Überzeugung zwei. Jeder, wie er sich wohlfühlt – wir müssen die Kinder ja auch grosskriegen und idealerweise dabei zufrieden bleiben.

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